Katzen verbergen Beschwerden meisterhaft. Eine zwölfjährige Katze, die etwas länger schläft, seltener aufs Fensterbrett springt und mehr trinkt als früher, wirkt auf viele Halter einfach „älter“. Dahinter stecken jedoch häufig behandelbare Erkrankungen: eine beginnende Nierenschwäche, eine Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck, ein Herzproblem oder Arthrose. Der Herbst ist der richtige Zeitpunkt, um genau hinzuschauen – bevor die dunkle Jahreszeit beginnt und Beschwerden sich verstärken.
In diesem Beitrag erklären wir, was ein Senioren-Check bei der Katze umfasst, welche Erkrankungen im Alter besonders häufig sind, warum die Untersuchung vor dem Winter sinnvoll ist und woran Sie zu Hause erkennen, dass Ihre Katze Unterstützung braucht.
Ab wann ist eine Katze ein Senior?
Die internationalen Katzenmediziner-Verbände AAFP und AAHA teilen das Katzenleben seit 2021 in vier Phasen ein: Kitten (bis 1 Jahr), junge erwachsene Katze (1 bis 6 Jahre), reife Katze (7 bis 10 Jahre) und Senior ab dem 11. Lebensjahr. Die Vorsorge beginnt dabei schon in der reifen Phase: Ab etwa sieben Jahren empfehlen die Leitlinien mindestens einmal jährlich eine Laboruntersuchung als Ausgangswert.
Für Senioren gelten kürzere Abstände: Katzen zwischen 10 und 15 Jahren sollten alle sechs Monate untersucht werden, Katzen über 15 Jahre alle vier Monate. Das klingt viel, relativiert sich aber schnell: Katzen altern etwa fünfmal schneller als Menschen. Ein Jahr ohne Untersuchung entspricht bei einem älteren Menschen einem Abstand von rund fünf Jahren zwischen zwei Arztbesuchen.
Was der Senioren-Check umfasst
Ein Senioren-Check ist mehr als ein kurzes Abhören. Er kombiniert eine gründliche klinische Untersuchung mit Laborwerten und der Blutdruckmessung, weil sich viele Alterserkrankungen gegenseitig beeinflussen.
Klinische Untersuchung
- Gewicht und Muskelzustand: Gewichtsverlust ist oft das erste Zeichen einer Erkrankung. In einer Studie mit 569 Katzen begann der Gewichtsverlust bereits bis zu drei Jahre vor der Diagnose einer Nierenerkrankung.
- Herz abhören und Puls prüfen, Schilddrüse abtasten (bei über 80 Prozent der Katzen mit Überfunktion ist ein Knoten tastbar).
- Zähne und Zahnfleisch, denn Zahnerkrankungen gehören zu den häufigsten Altersleiden.
- Gelenke, Wirbelsäule und Muskulatur abtasten, Bewegungsablauf beobachten.
- Augen kontrollieren, unter anderem auf Netzhautveränderungen durch Bluthochdruck.
Labor: Blut und Urin
Zur Basis gehören ein großes Blutbild, das Organprofil (Nieren- und Leberwerte, Elektrolyte, Eiweiß), der Nierenwert SDMA, der Schilddrüsenwert Gesamt-T4 sowie eine Urinuntersuchung mit spezifischem Gewicht und Eiweißgehalt. Gerade bei den Nieren ist die Kombination entscheidend: Manche Katzen haben bereits eine Nierenerkrankung, obwohl das Kreatinin noch im Referenzbereich liegt. Erst Urinkonzentration, SDMA und der Verlauf über die Jahre zeigen das ganze Bild. Dank unseres Inhouse-Labors liegen die wichtigsten Werte oft schon vor, während Sie noch in der Praxis sind.
Blutdruckmessung
Die Leitlinien empfehlen bei Katzen über zehn Jahren die Blutdruckmessung bei jedem Termin. Gemessen wird in ruhiger Umgebung mit einer kleinen Manschette an Bein oder Schwanz, mehrfach hintereinander, damit Aufregung das Ergebnis nicht verfälscht. Werte unter 140 mmHg gelten als normal; ab 160 mmHg an zwei Terminen oder bei bereits vorhandenen Organschäden wird behandelt.
Bei Bedarf: Ultraschall und Röntgen
Fällt ein Herzgeräusch auf, sind Laborwerte auffällig oder zeigt die Katze Atemprobleme, folgt der Blick ins Innere: Herzultraschall (Farbdoppler), Ultraschall der Nieren und Bauchorgane oder digitales Röntgen der Gelenke. Bei Verdacht auf eine Herzerkrankung kann zusätzlich der Blutwert NT-proBNP als Suchtest helfen – ein normaler Wert schließt eine milde Herzmuskelerkrankung allerdings nicht aus, deshalb bleibt der Ultraschall der Standard.

Die fünf häufigsten Alterserkrankungen der Katze
1. Chronische Nierenerkrankung
Studien zeigen, dass rund ein Drittel bis die Hälfte der Katzen über zehn Jahre eine – meist frühe – Nierenerkrankung hat; bei über 15-Jährigen waren es in einer Untersuchung sogar rund 80 Prozent. Typische Zeichen: mehr Trinken, größere Klumpen in der Toilette, nachlassender Appetit, gelegentliches Erbrechen, stumpfes Fell, Gewichts- und Muskelverlust. Früh erkannt, lässt sich der Verlauf mit Nierendiät, Flüssigkeitsmanagement und Blutdruckkontrolle deutlich verlangsamen.
2. Schilddrüsenüberfunktion
Etwa jede zehnte Katze über zehn Jahre entwickelt eine Überfunktion der Schilddrüse; in einer Klinikstudie aus Süddeutschland waren es 12,3 Prozent der Katzen ab acht Jahren. Das Leitsymptom ist paradox: Die Katze frisst gut, wird aber immer dünner. Dazu kommen Unruhe, lautes oder nächtliches Miauen, Erbrechen, Durchfall und ein ungepflegtes Fell. Unbehandelt belastet die Überfunktion Herz, Blutdruck und Nieren. Sie ist gut behandelbar.
3. Bluthochdruck
Mindestens jede siebte Katze über zehn Jahre hat dauerhaft erhöhten Blutdruck, oft als Folge einer Nieren- oder Schilddrüsenerkrankung, manchmal auch ohne erkennbare Ursache. Das Tückische: Bluthochdruck macht lange keine Symptome. Das erste Zeichen kann eine plötzliche Erblindung durch eine Netzhautablösung sein, erkennbar an weiten, starren Pupillen und Orientierungslosigkeit. Solche Schäden sind teils nicht mehr rückgängig zu machen. Deshalb gehört die Blutdruckmessung fest in den Senioren-Check.
4. Herzerkrankungen
Die hypertrophe Kardiomyopathie, eine Verdickung des Herzmuskels, findet sich bei rund 15 Prozent der scheinbar gesunden Katzen und wird mit dem Alter häufiger. Ein Herzgeräusch ist dabei kein verlässlicher Hinweis: Nur etwa ein Drittel der betroffenen Katzen hat überhaupt eines, und viele Geräusche sind harmlos. Wer sicher gehen will, braucht den Ultraschall. Bei älteren Katzen prüfen wir außerdem, ob Schilddrüse oder Blutdruck das Herz zusätzlich belasten.
Atemnot, Maulatmung oder eine plötzliche Lähmung der Hinterbeine sind bei Katzen immer ein Notfall. Rufen Sie sofort in der Praxis an.
5. Arthrose
Bei rund 90 Prozent der Katzen über zwölf Jahre lassen sich im Röntgenbild Arthrosezeichen nachweisen. Die meisten Halter bemerken davon nichts, weil Katzen selten lahmen. Stattdessen springen sie weniger hoch, nehmen Zwischenstufen, rutschen an Kanten herunter statt zu springen, putzen sich weniger oder gehen neben die Toilette, weil der Einstieg zu hoch ist. Arthroseschmerz ist gut behandelbar – mit Schmerzmanagement, Gewichtskontrolle und einer angepassten Umgebung.
Warum gerade vor dem Winter?
- Der Rhythmus passt: Wer den halbjährlichen Check im Herbst und im Frühjahr einplant, hält die empfohlenen Abstände automatisch ein.
- Weniger Bewegung, mehr Steifheit: Freigänger bleiben im Winter häufiger drinnen, ältere Katzen ruhen mehr. Viele Halter berichten, dass Arthrosebeschwerden in der kalten Jahreszeit deutlicher auffallen. Ein rechtzeitig eingestelltes Schmerzmanagement erspart der Katze steife Wintermonate.
- Trinken im Blick behalten: Katzen mit Nierenerkrankung trocknen leicht aus. Wer den Nierenstatus kennt, kann gezielt mit Trinkbrunnen, mehreren Wasserstellen und Nassfutter gegensteuern.
- Feiertage und Urlaubszeit: Medikamente für Schilddrüse, Blutdruck oder Herz sollten vor den Feiertagen eingestellt und kontrolliert sein, nicht mittendrin.

Warnzeichen, die Sie zu Hause erkennen können
Beobachten Sie Ihre Katze in den nächsten Wochen einmal bewusst. Diese Veränderungen sind ein Grund für einen Termin, auch wenn der nächste Check noch nicht fällig wäre:
- Sie trinkt mehr oder deutlich weniger als früher, die Klumpen in der Toilette werden größer.
- Sie verliert Gewicht – auch bei gutem Appetit.
- Sie springt nicht mehr auf den Lieblingsplatz, zögert an der Treppe oder nutzt Zwischenstufen.
- Das Fell wirkt struppig oder verfilzt, die Krallen werden zu lang.
- Sie miaut nachts laut, wirkt orientierungslos oder reagiert gereizt auf Berührung.
- Sie geht neben die Toilette oder schläft an ungewohnten, leichter erreichbaren Orten.
Hilfreich für den Termin: Wiegen Sie Ihre Katze regelmäßig (eine Babywaage reicht) und notieren Sie das Gewicht. Ein Verlauf sagt uns mehr als ein einzelner Wert.
Was Sie zu Hause für Ihre alte Katze tun können
- Warme, weiche Liegeplätze an zugluftfreien Stellen, gerne in der Nähe der Heizung.
- Rampen oder Stufen zu Sofa, Bett und Fensterbrett; nachts ein kleines Nachtlicht.
- Katzentoilette mit niedrigem Einstieg, mindestens eine pro Etage.
- Mehrere Trinkstellen im Haus – getrennt vom Futter und von der Toilette, in flachen Keramik- oder Glasschalen, gerne als Trinkbrunnen. Nassfutter erhöht die Flüssigkeitsaufnahme zusätzlich.
- Erhöhte, flache Näpfe, damit Katzen mit Arthrose sich nicht tief bücken müssen.
- Fellpflege unterstützen und Krallen kontrollieren.
- Fütterung anpassen: Ob Nierendiät, Gewichtsmanagement oder selbst gekochte Rationen – unsere Ernährungsberatung hilft Ihnen, den Napf auf das Alter Ihrer Katze abzustimmen.
Senioren-Check in Neckarsulm, Heilbronn, Bad Friedrichshall und Umgebung
Als Kleintierpraxis mit den Schwerpunkten Innere Medizin und Kardiologie begleiten wir Katzen von der Welpenzeit bis ins hohe Alter. Inhouse-Labor, Blutdruckmessung, Farbdoppler-Ultraschall und digitales Röntgen stehen direkt in der Praxis zur Verfügung, sodass Diagnose und Therapieplan meist an einem Termin möglich sind. Wenn Ihre Katze zehn Jahre oder älter ist, vereinbaren Sie jetzt einen Termin für den Senioren-Check vor dem Winter.
FAQ: Senioren-Check bei der Katze
Wie oft muss eine alte Katze zum Tierarzt?
Mit 10 bis 15 Jahren alle sechs Monate, über 15 Jahre alle vier Monate. Der Blutdruck sollte ab zehn Jahren bei jedem Termin gemessen werden.
Meine alte Katze trinkt viel – ist das normal?
Nein. Vermehrtes Trinken und Urinieren ist ein Leitsymptom von Nierenerkrankung, Schilddrüsenüberfunktion und Diabetes. Eine Blut- und Urinuntersuchung klärt die Ursache.
Meine Katze frisst gut, wird aber immer dünner. Warum?
Das ist typisch für eine Schilddrüsenüberfunktion, kommt aber auch bei Diabetes oder Darmerkrankungen vor. Auch vor einer Nierendiagnose nehmen Katzen oft schon Jahre vorher ab. Bitte zeitnah untersuchen lassen.
Warum schreit meine alte Katze nachts?
Mögliche Ursachen sind Schilddrüsenüberfunktion, Bluthochdruck, Arthroseschmerz, nachlassendes Hören oder Sehen sowie eine altersbedingte Verhaltensänderung, die bei 28 Prozent der 11- bis 14-Jährigen und über der Hälfte der Katzen ab 15 Jahren vorkommt. Erst wird medizinisch abgeklärt, dann das Verhalten beurteilt.
Meine Katze springt nicht mehr aufs Sofa – ist das nur das Alter?
Meist steckt Arthrose dahinter. Katzen lahmen selten, sie springen stattdessen weniger oder kürzer. Arthroseschmerz lässt sich gut behandeln.
Wie läuft die Blutdruckmessung bei der Katze ab?
Mit einer kleinen Manschette an Bein oder Schwanz, in ruhiger Umgebung und mit mehreren Messungen hintereinander. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert wenige Minuten.
Sicherheit & Haftung
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche Untersuchung oder Diagnose. Die genannten Zahlen stammen aus den Leitlinien der AAFP, AAHA, ISFM, ACVIM und IRIS sowie veröffentlichten Studien. Bei akuten Beschwerden Ihrer Katze wenden Sie sich bitte umgehend an eine Tierarztpraxis.
Kontakt & Termin
Telefon: 07132-8061
Jetzt Senioren-Check vereinbaren
Wenn Sie uns im Notfall unter 07132-8061 nicht erreichen sollten, rufen Sie bitte den zentralen Notrufdienst unter der Nummer 01805-843736 an.
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